____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Studienseminar
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Ein Studienseminar ist eine Einrichtung, an der angehende Lehrkräfte in mehreren deutschen Bundesländern ihre zweite Phase der Lehrerausbildung im Rahmen des Vorbereitungsdienstes durchlaufen. Sie werden in der Regel Referendare oder Lehramtsanwärter genannt.cite-ref-1[1] In Sachsen heiĂen die entsprechenden Lehreinrichtungen schlicht Ausbildungsstätten,cite-ref-0-2-0[2] in Nordrhein-Westfalen seit 2011 Zentrum fĂźr schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL).cite-ref-2-3-0[3] In Schleswig-Holstein ist das IQSH, in Mecklenburg-Vorpommern das IQMV zuständig.
FĂźr die ehemalige Ausbildung von Volksschullehrern siehe Lehrerseminar.
Contents
⢠Ziele
⢠Organisation
⢠Wirkungen
⢠Geschichte
⢠Fachdidaktik
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠FuĂnoten
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Ziele
Die Ausbildungsdauer beträgt je nach Schulform und Bundesland 12 bis 24 Monate. Die Ausbildung an den Studienseminaren findet im Vorbereitungsdienst neben berufspraktischen Abschnitten (Hospitationen, Ausbildungsunterricht, eigenverantwortlicher Unterricht und Lehrproben) statt. Ziel der Ausbildung ist es, auf der Grundlage der durch ein wissenschaftliches Hochschulstudium gewonnenen Erkenntnisse und Methoden fachdidaktische und erziehungwissenschaftliche Inhalte zu vermitteln und so eine professionelle Handlungs- und Reflexionsfähigkeit als aufzubauen. Dabei verfolgt die Ausbildung vielfach das Leitbild eines âreflektierenden Praktikersâ (Donald SchĂśn). Reflexions- und Handlungskompetenz schlieĂen eine Reihe von Teilkompetenzen ein, die den Lehramtsanwärter befähigen, die beruflichen Anforderungen in folgenden beruflichen Aufgaben gemäà dem Leitbild der KMK (Bremer Erklärung 2000cite-ref-4[4]) sachgemäà und verantwortlich wahrzunehmen: Unterrichten, Erziehen, Diagnostizieren und FĂśrdern, Beraten, Leistung messen und beurteilen, Organisieren und Verwalten, Evaluieren, Innovieren und Kooperieren. In vielen Bundesländern richtet sich die Ausbildung nach vorgegebenen Kompetenzen und Standards, die im Verlauf des Vorbereitungsdienstes erworben und nachgewiesen werden sollen.
Organisation
Studienseminare sind Einrichtungen, die bestimmten Schulen zugeordnet sind (Seminarschule). Die Seminarschulen unterstehen der Aufsicht des Staates und sind weisungsgebunden, im Unterschied zu den Hochschulen, fĂźr die die Verfassungsgarantie der Freiheit von Forschung und Lehre gilt. Das hauptamtliche Personal besteht aus Fachleitern (auch Studienleiter), die die verschiedenen Unterrichtsfächer vertreten, unter einem Seminarleiter bzw. -vorstand. Es handelt sich um BefĂśrderungsämter, die Auswahl unter den Bewerbern erfolgt durch die SchulaufsichtsbehĂśrden oder, wenn ein Landesinstitut fĂźr Lehrerbildung besteht, durch dessen Leitung. Daneben gibt es auch Lehrbeauftragte oder abgeordnete Fachleiter, die dieses Amt neben einer nur geringfĂźgig ermäĂigten vollen schulischen Unterrichtsverpflichtung ausĂźben. Bei diesen handelt es sich nicht um BefĂśrderungsämter. Sie erhalten lediglich eine Stellenzulage. Die Seminare werden an ihren Standorten getrennt nach den Schularten gefĂźhrt. Die Referendare gehĂśren in der Regel dienstrechtlich zu den Studienseminaren, nicht zu ihren Ausbildungsschulen. Das gilt seit 2011 nicht mehr fĂźr Mecklenburg-Vorpommern. Besonders in Bayern ist die Ausbildung durch Seminarschulen und Einsatzschulen anders geregelt.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6]
Wirkungen
Eine ĂberprĂźfung (Evaluation) Wirksamkeit des Vorbereitungsdienstes fĂźr das Lehramt ist bisher nur fĂźr begrenzte Bereiche geleistet worden. Eine wissenschaftlich fundierte empirische Gesamtuntersuchung des Vorbereitungsdienstes steht noch aus. Dennoch sind die Studienseminare derzeit die einzigen Einrichtungen in der Lehrerausbildung, in denen systematisch aktuelle pädagogische und fachdidaktische Erkenntnisse in eine praktische ĂberprĂźfung und methodische Anwendung ĂźberfĂźhrt werden. Daher bescheinigt der OECD-Bildungsbericht von 2004 der zweiten Phase, dass sie âeine einzigartige Gelegenheit zum âLernen im Berufâ, d. h. zum Erwerb und zur Weiterentwicklung von Lehrkompetenzen in der alltäglichen Schulpraxisâ liefert.
Eine Reihe von Studienseminaren haben innovative, kompetenzorientierte Ausbildungskonzepte entwickelt, so z. B. die Studienseminare Paderborncite-ref-7[7] und Koblenz,cite-ref-8[8] sowie sich der inneren Gestaltung und der Wirksamkeit von Lehrerausbildung mit Projekten zur Evaluation und zur Handlungsforschung gewidmet, so z. B. das Studienseminar Leer.cite-ref-9[9]
Da die 2. Phase der Lehrerausbildung zum einen in der Seminararbeit im Studienseminar (Hauptseminare, Fachseminare) erfolgt, zum anderen von der jeweiligen Ausbildungsschule und den dort tätigen Fachkollegen (in NRW auch Ausbildungskoordinatoren) getragen wird, kĂśnnen sich die Lehramtsanwärter auch in einem Spannungsfeld unterschiedlicher AnsprĂźche und Zielsetzungen wiederfinden. Die strukturell bedingte Doppelrolle der Lehramtsanwärter als Lernende und Lehrende verlangt ihnen anspruchsvolle Balanceakte und Rollendistanz ab. Zwar haben die Studienseminare moderne andragogische Ausbildungskonzepte entwickelt (z. B. der âselbständige Lernerâ); dennoch ist der Vorbereitungsdienst strukturell geprägt durch eine Ambivalenz zwischen selbstverantwortlichem Lernen der Lehramtsanwärter und Fremdbeurteilung durch die Seminarausbilder.
Geschichte
Die Einrichtung von Studienseminaren fĂźr die zweite Phase der Lehrerbildung ist europaweit einzigartig und nur als Ergebnis einer längeren geschichtlichen Entwicklung zu erklären. Während die Ausbildung von Volksschullehrern bis in die Zeit der Weimarer Republik (und länderspezifisch noch darĂźber hinaus) an Lehrerseminaren und bei Bewerbern ohne Abitur an vorgeschalteten Präparandenanstalten erfolgte, durchliefen Lehrer an hĂśheren Schulen ein akademisches Studium. Friedrich Gedike begann in Berlin mit der schulpraktischen Ausbildung von Lehrern am Gymnasium 1787 (GrĂźndung des Seminars fĂźr gelehrte Schulen), Wilhelm von Humboldt fĂźhrte 1810 im Rahmen der PreuĂischen Reformen das examen pro facultate docendi ein. 1826 fĂźhrte PreuĂen ein pädagogisches Probejahr unter Aufsicht des Schuldirektors noch ohne PrĂźfung ein. 1890 wurde die zweite Ausbildungsphase eine feste Institution in PreuĂen, die zwei Jahre dauerte. Ausbilder waren spezielle Praktiker in den Kollegien der Gymnasien. Seit 1898 regelte eine PrĂźfungsordnung einheitlich die Lehrberechtigung fĂźr Unterricht in mindestens einem Fach der Oberstufe und zwei weiteren Fächern (akademischer Stand der âOberlehrerâ). Ein Zehn-Länder-Abkommen Ăźbertrug diese Regelungen 1904 auf die nord- und mitteldeutschen Länder sowie Baden und das Reichsland Elsass-Lothringen. Ab 1917 wurde auf Betreiben von Karl Reinhardt das zweite Jahr auch ein Seminarjahr, aber an einem anderen Gymnasium als Seminarschule abgeschlossen. Das 2. Staatsexamen bestand aus zwei Lehrproben und einer pädagogischen PrĂźfung. Ab 1924/25 wurde die PrĂźfung an ein âBezirksseminarâ Ăźbertragen, das dem Regierungsbezirk unterstand, und im Kern bereits die heutige Gestaltung der Studienseminare aufwies. Zugleich wurden die Seminarleiter als pädagogische Experten berufen, die die bisher oft Ăźberforderten Schulleiter entlasten sollten, und auf die Fächer spezialisierte Fachleiter statt bloĂer Mentoren in den Schulen eingefĂźhrt. Diese Reform von Hans Richert sollte vor allem durch eine Zentralisierung die Beurteilungskriterien objektivieren und eine Begrenzung der einzustellenden Assessorenzahlen unterstĂźtzen.cite-ref-10[10]
In Bayern und WĂźrttemberg wurde die zweite PrĂźfung bereits 1912 bzw. 1898 obligatorisch nach allerdings nur einem Ausbildungsjahr. Im NS-Staat wurde die Seminarzeit 1940 reichsweit auf ein Jahr verkĂźrzt und die Ausbildung strikt vereinheitlicht.
FĂźr die Bundesrepublik maĂgeblich wurde der KMK-Beschluss vom 20. Mai 1954 Grundsätze zur Pädagogischen PrĂźfung fĂźr das Lehramt an Gymnasien mit § 3: âFĂźr die Ausbildung werden Studienseminare eingerichtet; ihre Organisation bleibt den Ländern Ăźberlassen.â Der Vorbereitungsdienst hatte zwei Jahre zu dauern, die Leiter der Studienseminare waren keine Schulleiter. Doch blieben die besonderen Formen der Länder erhalten, so in Bayern die Seminargymnasien. Die Grundsätze zur Pädagogischen PrĂźfung fĂźr das Lehramt mit gleichem Datum legten fĂźr die PrĂźfung zwei Lehrproben, eine schriftliche Hausarbeit und eine mĂźndliche PrĂźfung Ăźber pädagogische Themen fest.cite-ref-11[11]
Das gymnasiale Ausbildungsmodell eines Vorbereitungsdienstes an Studienseminaren wurde aber erst in der 139. Sitzung der Kultusministerkonferenz am 9. Oktober 1970 in Frankenthal (Pfalz) auf alle Lehrämter Ăźbertragen. Der Vorbereitungsdienst fĂźr alle Lehramtsanwärter erfolgt seither an âbesonderen Ausbildungsinstitutionenâ. Ende der 1970er Jahre wurde in Niedersachsen, in den Regierungsbezirken Oldenburg und OsnabrĂźck, eine Zeitlang eine einphasige Ausbildung erprobt, die die gesamte Ausbildung mit einem Examen abschloss. Eine ähnlich einphasige Ausbildung wurde in der DDR vollzogen.
Studienseminare in den Bundesländern
⢠In Baden-Wßrttemberg bestehen 35 Seminare fßr Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte, davon 14 fßr Grundschulen, Werkrealschulen und Hauptschulen in Albstadt, Bad Mergentheim, Freudenstadt, Heilbronn, Laupheim, LÜrrach, Mannheim, Meckenbeuren, Nßrtingen, Offenburg, Pforzheim, Rottweil, Schwäbisch Gmßnd und Sindelfingen, vier fßr Realschulen in Freiburg, Karlsruhe, Ludwigsburg und Reutlingen, fßnf fßr Gymnasien in Esslingen, Heilbronn, Karlsruhe, Rottweil, Schwäbisch Gmßnd und Tßbingen, drei mit je einer Abteilung fßr Gymnasien und Sonderschulen in Freiburg, Heidelberg und Stuttgart, eines mit einer Abteilung fßr Berufliche Schulen und Gymnasien in Weingarten, drei fßr Berufliche Schulen in Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart und vier Pädagogische Fachseminare fßr die Ausbildung von Fachlehrern fßr musisch-technische Fächer, Fachlehrern und Technischen Lehrern Sonderpädagogik in Karlsruhe (musisch-technische Fächer und Sonderpädagogik), Kirchheim/Teck (musisch-technische Fächer), Reutlingen (Sonderpädagogik) und Schwäbisch Gmßnd (musisch-technische Fächer und Sonderpädagogik).cite-ref-12[12]
⢠Im Land Brandenburg verantwortet das Ministerium fĂźr Bildung, Jugend und Sport (MBJS) die Ausbildung und PrĂźfung der Lehramtsanwärter und Referendare. âDie Ausbildung findet an den Studienseminaren des Ministeriums fĂźr Bildung, Jugend und Sport (MBJS) in Bernau, Cottbus und Potsdam statt.âcite-ref-15[15]
⢠In Hessen bestehen fĂźnf Studienseminare fĂźr berufliche Schulencite-ref-16[16] (Darmstadt,cite-ref-17[17] Frankfurt, GieĂen, Kassel, Wiesbaden) und 15 Studienseminare fĂźr Grund-, Haupt-, Real- und FĂśrderschulen (Darmstadt, Eschwege, Frankfurt, Friedberg, Fritzlar, Fulda, GieĂen, Hanau, Heppenheim, Kassel, Marburg, Offenbach, RĂźsselsheim, Wetzlar, Wiesbaden) sowie zehn Studienseminare fĂźr Gymnasien (Darmstadt, Frankfurt, Fulda, GieĂen, Heppenheim, Kassel, Marburg, Bad Vilbel, Offenbach, Wiesbaden) fĂźr die zweite Phase der Lehrerbildung.cite-ref-18[18]
⢠In Nordrhein-Westfalen wird mit dem âreformierten Vorbereitungsdienstâ seit 2011 die zweite Phase der Lehrerausbildung von 33 Ausbildungsstandortencite-ref-1-19-0[19], den so genannten Zentren fĂźr schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL), koordiniert. Im Zuge dieser Reform wurde die Dauer des Vorbereitungsdienstes von 24 auf 18 Monate verkĂźrzt.cite-ref-2-3-1[3] Ăber die Ausbildungsstandorte verteilt existieren 28 Seminare fĂźr das Lehramt Grundschule, 19 Seminare fĂźr das Lehramt Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen, 31 Seminare fĂźr das Lehramt Gymnasien und Gesamtschulen, 13 Seminare fĂźr das Lehramt Berufskolleg und 15 Seminare fĂźr das Lehramt sonderpädagogische FĂśrderung.cite-ref-1-19-1[19] Nach dem Zweiten Weltkrieg war zunächst die Regelungen bezĂźglich der Lehrerausbildung aus der Zeit des Nationalsozialismus aufgehoben und die Bestimmungen von 1917 wieder in Kraft gesetzt worden.cite-ref-20[20] Dazu hatte das Festhalten an der historischen Trennung in ein Jahr Ausbildung in einem Anstaltsseminar und ein Jahr in einem Studienseminar gehĂśrt.cite-ref-21[21]
⢠In Niedersachsen gibt es 54 Studienseminare, davon 18 Studienseminare fßr den gymnasialen Bereich.cite-ref-22[22]
⢠In Rheinland-Pfalz gibt es 24 Studienseminare, davon 6 Studienseminare fßr den gymnasialen Bereich.cite-ref-23[23]
⢠In Sachsen befinden sich die Lehrerausbildungsstätten im Landesamt fĂźr Schule und Bildung in den Standorten Chemnitz mit AuĂenstelle Annaberg-Buchholz, Dresden mit AuĂenstelle LĂśbau und Leipzig. Die Ausbildung erfolgt mit den Ausbildungszielen: Lehramt Gymnasium, Lehramt Oberschule, Lehramt Grundschule, Lehramt Sonderpädagogik oder Lehramt an berufsbildenden Schulen. An den beiden AuĂenstellen LĂśbau und Annaberg-Buchholz ist nur die Ausbildung fĂźr Lehramt Grundschule mĂśglich.cite-ref-0-2-1[2]
⢠In Sachsen-Anhalt verantwortet das Landesinstitut fĂźr Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA) die Ausbildung und PrĂźfung der Lehramtsanwärter und Referendare im Vorbereitungsdienst.cite-ref-25[25] âDer Vorbereitungsdienst erfolgt an den Staatlichen Seminaren fĂźr Lehrämter in Halle und Magdeburg.âcite-ref-26[26] Die seminaristische Ausbildung im Vorbereitungsdienst wird differenziert nach Lehrämtern in folgender Weise organisiert: Am Standort Magdeburg werden die Lehrämter an Grundschulen, Sekundarschulen, Gymnasien, FĂśrderschulen und berufsbildenden Schulen ausgebildet, am Standort Halle (Saale) die Lehrämter an Grundschulen, Sekundarschulen, Gymnasien und FĂśrderschulen.cite-ref-27[27]
Ausbildungsinhalte
Zentrale Inhalte der Lehrerausbildung in der I. und II. Phase sind nach der Kultusministerkonferenz vom 16. Dezember 2004 zu Standards der Lehrerausbildung (Bildungswissenschaften):cite-ref-28[28]
⢠Bildung und Erziehung â BegrĂźndung und Reflexion von Bildung und Erziehung in institutionellen Prozessen
⢠Beruf und Rolle des Lehrers â Lehrerprofessionalisierung; Berufsfeld als Lernaufgabe; Umgang mit berufsbezogenen Konflikt- und Entscheidungssituationen. Das gilt auch fĂźr die Ausbildung an Pädagogischen Hochschulen.
⢠Didaktik und Methodik â Gestaltung von Unterricht und Lernumgebungen
⢠Lernen, Entwicklung und Sozialisation â Lernprozesse von Kindern und Jugendlichen innerhalb und auĂerhalb von Schule
⢠Leistungs- und Lernmotivation â Motivationale Grundlagen der Leistungs- und Kompetenzentwicklung
⢠Differenzierung, Integration und FĂśrderung â Heterogenität und Vielfalt als Bedingungen von Schule und Unterricht
⢠Diagnostik, Beurteilung und Beratung â Diagnose und FĂśrderung individueller Lernprozesse; Leistungsmessungen und Leistungsbeurteilungen
⢠Kommunikation, Interaktion und Konfliktbewältigung als grundlegende Elemente der Lehr- und Erziehungstätigkeit
⢠Medienbildung â Umgang mit Medien unter konzeptionellen, didaktischen und praktischen Aspekten
⢠Schulentwicklung â Struktur und Geschichte des Bildungssystems; Strukturen und Entwicklung des Bildungssystems und Entwicklung der einzelnen Schule
⢠Bildungsforschung â Ziele und Methoden der Bildungsforschung; Interpretation und Anwendung ihrer Ergebnisse
Gestaltung von Unterricht und Lernumgebungen
Bei der Evaluation von Unterrichtsqualität wird in Deutschland regelmäĂig auf die 10 Merkmale guten Unterrichts von Hilbert Meyer verwiesen.cite-ref-29[29] Eine ähnliche Liste liegt von Andreas Helmke vor.cite-ref-30[30] Dies sind allerdings nur allgemeine Merkmale fĂźr alle Fächer. Hinzu kommen immer noch fachspezifische Merkmale fĂźr guten Mathematik- oder Geschichtsunterricht. Die Merkmale sind:
⢠klare Strukturierung
⢠inhaltliche Klarheit
⢠vorbereitete Umgebung
⢠Methodenvielfalt
⢠lernfÜrderliches Klima
⢠sinnstiftende Kommunikation
⢠individuelles FÜrdern
⢠intelligentes Ăben
⢠transparente Leistungserwartungen
⢠hoher Anteil echter Lernzeit
Standardisierte EvaluationsbĂśgen der SchulbehĂśrden bei Unterrichtsbesuchen kĂśnnen diese Kriterien mehr oder weniger widerspiegeln. Ein Standardwerk ist auch der vielfach aufgelegte âLeitfaden Unterrichtsvorbereitungâ desselben Autors.
Als Kriterien fĂźr eine gute Unterrichtskultur gelten weiterhin nach Nele Schubert:cite-ref-31[31]
⢠Ermutigung (der Lehrer nimmt den einzelnen Schßler wahr)
⢠Kommunikation (Feedbackkultur)
⢠Partizipation (Mitmachtheater)
⢠Organisation
Gemäà der Publikation Schulische Qualität im Freistaat Sachsencite-ref-32[32] wird die Schulqualität nach folgenden Kriterien bewertet:
⢠Schulkultur
⢠Management & Fßhrung
⢠Kooperation
⢠Professionalität
Beruf und Rolle des Lehrers
Ein wichtiges Thema ist hier die KlassenfĂźhrung. Dabei geht es um den reibungslosen Ablauf des Unterrichts und den Umgang mit StĂśrungen. Als Kriterien effizienter KlassenfĂźhrung (Jacob S. Kounin)cite-ref-33[33] gelten:
⢠Allgegenwärtigkeit des Lehrers
⢠Reibungsloser Ablauf
⢠Gruppenaktivierung
⢠Programmierte ĂberdruĂvermeidung
Die programmierte Ăberdrussvermeidung wird durch eine Rhythmisierung des Unterrichts erreicht, das heiĂt ein Wechsel von
⢠Konzentration und Entspannung
⢠Ruhe und Bewegung
⢠Einzelarbeit und kooperativen Phasen
Als Ursache von StÜrungen kommt das Handeln des Lehrers selbst, der Schßler oder auch die Umgebung in Frage. Bei der Vermeidung von StÜrungen wird unterschieden zwischen Prävention, Intervention und Postvention. Präventiv wirken unter anderem
⢠Reibungsloser und gut rhythmisierter Ablauf des Unterrichts
⢠Aktivierung aller Schßler
⢠Etablierung von Klassenregeln und die Durchsetzung einer Schulordnung
⢠Etablierung von Ritualen
⢠Freundliches, bestimmtes und konsequentes Verhalten der Lehrkraft
⢠Lob und Unterstßtzung des gewßnschten Verhaltens
Interventionen sind die kleinen und groĂen direkten Eingriffe der Lehrkraft, sobald eine StĂśrung auftritt. Hierzu zählen Signale Ăźber Mimik und KĂśrpersprache, Verwarnungen oder die Androhung oder Verhängung von Strafen. Postventionen sind im Nachgang durchgefĂźhrte MaĂnahmen wie Einzelgespräche mit dem SchĂźler, Elterngespräche und OrdnungsmaĂnahmen.
Lernprozesse von Kindern und Jugendlichen innerhalb und auĂerhalb von Schule
Eine wichtige Grundlage fßr das Lehrerhandeln ist die Entwicklungspsychologie von Jugendlichen. Relevant sind dabei die Umbauprozesse im Gehirn während der Pubertät und die hieraus resultierende emotionale Instabilität verbunden mit Verhaltensauffälligkeiten. Weiterhin werden oft die Arbeiten der folgenden Wissenschaftler betrachtet:
⢠Albert Bandura: Theorie des sozialen Lernens
⢠Jean Piaget: 4 Phasen der kognitiven Entwicklungspsychologie
⢠Erik H. Erikson: Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung
Fachdidaktik
Neben allgemeinen Kenntnissen und Fertigkeiten zum Umgang mit Jugendlichen und zur Beherrschung der Klassensituation sollte die Lehrkraft Ăźber spezifische Erfahrungen zur Wissensvermittlung in seinem Fach besitzen. Thema der Fachdidaktik ist beispielsweise die Auswahl geeigneter konkreter Lerninhalte und Aufgaben, MĂśglichkeiten der Differenzierung in konkreten Lerngebieten, bewährte MĂśglichkeiten neuen Stoff schĂźlergerecht, lebensnah und motivierend einzufĂźhren, bewährte Arten Lernstoff aufeinander aufzubauen und zu präsentieren, alters- und schĂźlergerechte didaktische Reduktion und die Vorgabe altersgemäĂer und schĂźlergerechter Lernziele.cite-ref-34[34]cite-ref-35[35]
Literatur
⢠H. Lenhard: Zweite Phase an Studienseminaren und Schulen. In: Sigrid BlĂśmeke, P. Reinhold, G. Tuoldziecki, J. Wildt (Hrsg.): Handbuch Lehrerbildung. Westermann / Klinkhardt, Braunschweig / Bad Heilbrunn 2004, S. 275â290.
⢠H. Lenhard: Die zweite Phase der Lehrerbildung. Ein Modell mit Zukunft? In: Pädagogik. 57, Heft 11, 2005, S. 46â49. Auch in: V. Huwendiek, H. Kretzer (Hrsg.): Stärken und Zukunftsfähigkeit der Zweiten Phase. Sonderheft Seminar 2005/2006, S. 9â15.
⢠Ewald Terhart (Hrsg.): Perspektiven der Lehrerbildung in Deutschland. Abschlussbericht der von der Kultusministerkonferenz eingesetzten Kommission. Weinheim, Basel 2000.
⢠Johann Sjuts, Detlef Ehrig: Das forschend-lernende Studienseminar â das eigenverantwortliche Studienseminar? Befundanalyse eines Studienseminars zur Qualitätsentwicklung. Leer 2007.
Weblinks
FuĂnoten
cite-note-11. â Die Bezeichnung âReferendarâ wurde vor der Reform der Beamtenlaufbahnen im strengen Sinn nur fĂźr Anwärter verwendet, die sich auf eine Laufbahn im hĂśheren Dienst vorbereiten (Gymnasium, berufliche Schule, Gesamtschule mit Sekundarstufe II). FĂźr Auszubildende an Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen und FĂśrderschulen im gehobenen Dienst wurde die Bezeichnung âLehramtsanwärterâ bzw. âLehreranwärterâ verwendet (siehe auch Lehramtsreferendariat).
cite-note-0-22. â LaSub: Ausbildungsstätten. Abgerufen am 18. August 2020.
cite-note-2-33. â Der reformierte Vorbereitungsdienst. In: Schule NRW, Amtsblatt des Ministeriums fĂźr Schule und Weiterbildung. Ministerium fĂźr Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Januar 2013, S. 10â31, abgerufen am 28. Dezember 2022.
cite-note-44. â Bremer Erklärung: Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern heute - Fachleute fĂźr das Lernen
cite-note-55. â Vorbereitungsdienst Lehramt Gymnasium. Abgerufen am 21. Juli 2020.
cite-note-66. â Vorbereitungsdienst Lehramt Realschule. Abgerufen am 21. Juli 2020.
cite-note-77. â Studienseminar Paderborn
cite-note-88. â Studienseminar Koblenz
cite-note-99. â Studienseminar Leer
cite-note-1010. â Hans Heinrich Mandel: Geschichte der Gymnasiallehrerbildung in PreuĂen-Deutschland 1787â1987. Berlin 1989, ISBN 3-7678-0723-8, S. 53â92.
cite-note-1111. â H. H. Mandel: Geschichte der Gymnasiallehrerbildung in PreuĂen-Deutschland 1787â1987. 1989, S. 188 f; Vgl. JĂśrn SchĂźtzenmeister: Professionalisierung und Polyvalenz in der Lehrerausbildung. 2002.
cite-note-1212. â Ăbersicht der Seminarstandorte. 16. März 2005, abgerufen am 28. April 2020.
cite-note-1313. â Seminarschulen in Bayern: Realschulen (Memento vom 4. August 2008 im Internet Archive), Seminarschulen in Bayern: Gymnasien (Memento vom 24. März 2008 im Internet Archive)
cite-note-1414. â Zulassungs- und Ausbildungsordnung fĂźr das Lehramt an Gymnasien v. a. § 5
cite-note-1515. â Land Brandenburg. Ministerium fĂźr Bildung, Jugend und Sport: 1Vorbereitungsdienstim Land Brandenburg - Organisation und DurchfĂźhrung. Abgerufen am 17. April 2021.
cite-note-1616. â Liste der Studienseminar fĂźr berufliche Schulen in Hessen
cite-note-1717. â Studienseminar fĂźr berufliche Schulen in Darmstadt
cite-note-1818. â Amt fĂźr Lehrerbildung Hessen
cite-note-1-1919. â Standorte der Zentren fĂźr schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) in NRW. Zentren fĂźr schulpraktische Lehrerausbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, 2022, abgerufen am 28. Dezember 2022.
cite-note-2020. â Karl-Friedrich Hillesheim: Lehrer(aus)bildung in NRW im Spiegel der Ausbildungs- und PrĂźfungsordnungen seit 1945. In: Perspektiven der Lehrerbildung. LIT-Verlag, Berlin 2010, S. 35â52.
cite-note-2121. â Hans Lohmeyer (Hrsg.): Das Studienseminar. Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt am Main 1959, Band 4, Anhang.
cite-note-2222. â Studienseminare Niedersachsen (Stand 2006)
cite-note-2323. â Studienseminare Rheinland-Pfalz (Stand 2010)
cite-note-2424. â Saarland: Lehrerausbildung | Saarland.de. In: www.saarland.de. Abgerufen am 25. August 2016.
cite-note-2525. â Landesinstitut fĂźr Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA): LISA: Vorbereitungsdienst in Sachsen-Anhalt. Abgerufen am 17. April 2021 (deutsch).
cite-note-2626. â Landesinstitut fĂźr Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA): LISA: Vorbereitungsdienst in Sachsen-Anhalt. Abgerufen am 17. April 2021.
cite-note-2727. â Landesschulamt Sachsen-Anhalt: Merkblatt fĂźr die Einstellung in den Vorbereitungsdienst des Landes Sachsen-Anhalt. Abgerufen am 17. April 2021.
cite-note-2828. â Standards fĂźr die Lehrerbildung:Bildungswissenschaften. (PDF) kmk.org, 16. Dezember 2004, abgerufen am 30. Januar 2020.
cite-note-2929. â 10 Merkmale guten Unterrichts von Hilbert Meyer â Studienseminar LĂźneburg fĂźr das Lehramt fĂźr Sonderpädagogik. Abgerufen am 20. Juli 2020 (deutsch).
cite-note-3030. â https://wp.religionspaedagogikzh.ch/modul02/wp-content/uploads/sites/5/2016/04/unterricht_guter_meyer_helmke2.pdf
cite-note-3131. â Nele Schubert: Das Klassenlehrer-Buch fĂźr die Grundschule. Beltz, 2012, ISBN 978-3-407-29222-3.
cite-note-3232. â Referat Kommunikation und Ăffentlichkeitsarbeit: Schulische Qualität im Freistaat Sachsen: Kriterienbeschreibung. Abgerufen am 20. Juli 2020.
cite-note-3333. â https://studienseminar.rlp.de/fileadmin/user_upload/studienseminar.rlp.de/gy-ko/Pflichtmodule_18-19/05_Lehrerrolle_II__Die_Klasse_anleiten/02_Kounin_Ansatz_komplett.pdf
cite-note-3434. â Was ist Fachdidaktik. Abgerufen am 17. September 2021.
cite-note-3535. â Fachdidaktik. Abgerufen am 17. September 2021.